venuslicht
aktualisiert am
16.01.2009
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NIEMANDSLAND Am Morgen meiner Abreise möchte ich stets bleiben bleiben zwischen der sicheren Gewißheit und der unendlichen Möglichkeit. (05/95)
MAYOUM IM RÜCKEN punkte du auf der pyramide ich fließe mit dem sand wind bewegt (01/89)
KARACHI 1989 Noch blendet die Sonne Blüten leuchten im Grün
Bald neigt sich der Tag das Licht wird schwinden
Hundertfach werden Milane kreisen Schatten werfen auf die Stadt (KHI 4/90)
GEWINN UND VERLUST Wer reich in diesem Land stets umsorgt von vielen Händen
läuft leicht Gefahr die Herrschaft zu verlier'n
über seine eigenen Hände (KHI 11/89)
ENTFERNT wenn einer eine Reise macht kann er viel erzählen
doch wer will noch zuhören (KHI 01/90)
SHABANA, SIEBEN JAHRE Ein Mädchen ein Krüppel eine Waise in dieser Reihenfolge KHI 05/92
SHABANA II Augensprache mit Zärtlichkeit kichern und immer wieder nicken gar nicht sprachlos KHI 10/91
ENTFERNUNGEN über sechstausend Kilometer lang ist die Reise
nur achteinhalb Stunden braucht man zu fliegen
knapp fünf Jahre der Heimat ganz nah
näher als dort (KHI 09/90)
AUSLÄNDER fremd in dieser Stadt in diesem Land seiner Sprache seiner Kultur
hier bin ich Gast für ein paar Jahre zu arbeiten zu leben
in Pakistan als Deutsche bin ich Mensch hier darf ich sein KHI 09/92
LOHNTAG Heute ist Lohntag für meine sechs Dienstboten in der Millionenstadt
Heute ist happy-day sagt der eine der andere wiegt sorgenvoll den leichten Umschlag
Morgen ist Abrechnungstag für alle die nicht bekamen, was sie verdienten die nicht verdienten, was sie nahmen (KHI 05/91)
ANGEPASST mein körper hat lange begriffen
was deutscher geist nicht faßt
es geht auch langsam schrittweise
zeit zu leben ohne hast (KHI 4/90)
ASHOK - EIN DIENSTBOTE Seit er fünfzehn war trug er schwer an der Verantwortung für Mutter, Bruder Neffen, Nichten alle arbeitslos und hungrig
Morgen soll Hochzeit sein für ihn kein Freudentag ein weiteres Maul zu stopfen allein mit vierundzwanzig (KHI 05/91)
BLÜTENKRONE Ein Narr mit Blumen im Haar regelt täglich den Verkehr und lacht
ein Narr der ihn bedauert (KHI 08/91)
WÜSTENDUETT Der Wind, Dein stetester Verehrer malt Spuren in den Sand fährt zausend über Dein Gesicht und streichelt Deine Hügel
Tanzt in Deinem Bett mit Staub durchglüht zu höchsten Wirbeln gibt seufzend Ruh', bist Du entflammt zählt nachts mit Dir die Sterne. (KHI 7/91)
SONNENENERGIE an feucht zerwühlten laken klebt erschöpfung hitze lähmt die energie
der helle morgen ist bereits verdorrt die sonne glüht
frisst alles auf nachts bleibt wach nur die erschöpfung (KHI 01/90)
EIN LIED FÜR ZWEI Ich höre Flötentöne in der Nacht da spielt einer ganz allein gegen die Dunkelheit
wärmt sich und mich (KHI 01/92)
WUNSCHLOS Wo die Stille hörbar ist ein einziger Laut den Raum ausfüllt wo der Wind singend streicht durch dürre Zweige über heißen Sand dort in der Wüste verwehen alle Wünsche. (KHI 01/93)
ALLE STERNE Nach einer Schlafsack Nacht zwölf Moskitostiche im Gesicht
zwölf was ist das schon gegen alle Sterne des Himmels über mir (KHI 03/93)
WÜSTENLAUF Sah drei Männer ihre Kamele durch die Wüste führen
sah drei Beduinen steten Schrittes den Tag durchwandern
sah drei Weise mit ihren Tieren aus meinem Autofenster KHI 01/93
WUNDERVOLL lackschwarz glänzender Scarabäus im hellen Sand
huschende Eidechsen pfeilschnell über glühendem Boden
blütenlose Pflanzen buntgefärbt im wechselnden Licht
ein Mensch in dieser Wunderwelt ganz nackt KHI 02/93
HONG KONG In dieser Welt aus Stein gebaut zum Geldverdienen in deren Rahmen keine Kinder spielen
In dieser Welt aus Stein gegossen aus Beton in dessen Schluchten keine Vögel nisten
In dieser Welt aus Stein verwaltet von Wahlplakaten auf dem Pflaster keine Blumen sprießen
Hier will ich nicht sein HK 09/95
CENTRAL / HONG KONG Menschen Kopf an Kopf eilig strömend umringt von nimmermüden Preßlufthammern Menschen werfen ihre Netze nach dem Geld HK 09/95
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